Kabel Deutschland macht Tempo
Quelle: Financial Times Deutschland vom 28.09.2009, Seite 15
- Unternehmen will superschnelle Datenübertragung im Internet anbieten
- FTD-Interview
Kabel Deutschland will der Deutschen Telekom die Technologieführerschaft in einem ihrer Kerngeschäfte, der superschnellen Internetverbindung, abnehmen. "Wir werden 2010 starten, und zwar in einigen großen Ballungsgebieten", sagte Adrian von Hammerstein, Vorsitzender der Geschäftsführung von Kabel Deutschland (KDG) der FTD. Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber wird dann Übertragungsgeschwindigkeiten von 100 Megabyte je Sekunde anbieten. Konkurrent Telekom liefert maximal 50 Megabyte; KDG bislang maximal 32 Megabyte.
Das KDG-Angebot werde in der ersten Jahreshälfte in drei bis vier Städten starten. Dazu gehört eine weitere Offensive. "Wir kommen nächstes Jahr mit einem Video-on-Demand-Angebot auf den Markt", kündigte Hammerstein an.
Die Vorwärtsstrategie soll dem Kabelbetreiber helfen, seinen Kunden Zusatzangebote wie Telefon- oder Internetzugang zu verkaufen. Der Wettbewerb ist eng wie nie: Während Kabelbetreiber Telefonie und Webzugang anbieten, liefern Telekomkonzerne Fernsehen über das Internet (IPTV). Dazu gehört auch die Möglichkeit, Filme aus einer virtuellen Videothek auszuleihen, das sogenannte Video-on-Demand (VOD). Telekom-Chef René Obermann spricht angesichts des Erfolgs der Kabelanbieter von einer "rollenden Lawine". Alle zusammen besitzen laut KDG aber erst einen Marktanteil von neun Prozent bei Breitbandnutzern. KDG selbst hat in 13 Bundesländern 800 000 Internetkunden, bis Jahresende sollen es eine Million sein.
KDG hofft deshalb auch auf den Marketingeffekt des 100-Megabyte-Angebots, denn aus technischer Sicht ist der Geschwindigkeitswettlauf bei Internetzugängen nur teilweise sinnvoll. Bandbreiten von mehr als 20 oder 30 Megabyte sind außer für die Übertragung hochauflösenden Fernsehens (HD) kaum nötig. Die hohen Übertragungsraten ermöglichen allerdings, über das Fernsehkabel zeitgleich hochauflösendes Fernsehen und Internetdaten zu übertragen. Den Preis für das 100-Megabyte-Angebot nannte Hammerstein nicht. "Wir werden uns der Wettbewerbssituation anpassen", sagte er lediglich.
KDG, eine Beteiligung des Investors Providence Equity Partners, konnte im ersten Quartal (Ende Juni) zulegen. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 367,2 Mio. Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen zog um 18 Prozent auf 158,5 Mio. Euro an. "Wir haben ein sehr gutes Potenzial, organisch zu wachsen", sagte Hammerstein. Allerdings könnte sich bald für Kabel Deutschland eine Zukaufsgelegenheit im Kerngeschäft ergeben. Gegen große Fusionen etwa mit Unitymedia oder Kabel Baden-Württemberg stellt sich aber das Kartellamt.
Der hoch verschuldete TV-Kabelnetzbetreiber Escaline-Orion bereitet mit der Bank Citigroup einen Verkauf vor. "Wir sind an weiterer Konsolidierung innerhalb unseres bestehenden Verbreitungsgebiets interessiert", bestätigte Hammerstein sein Interesse. Bislang liefert der Marktführer TV-Inhalte, die Orion dann weiterverkauft. Kabel Deutschland bekommt dafür 3,30 Euro je Kunden statt mehr als 14 Euro ohne Zwischenhändler. Bereits 2008 hatte Kabel Deutschland rund 1,1 Millionen Kunden von Orion für 424 Mio. Euro übernommen. Für die verbliebenen Unternehmensteile von Orion taxieren Experten den Preis auf 1 Mrd. Euro. Es liefen aber keine Gespräche mit Orion, sagt Hammerstein. Neben KDG gelten Vodafone, Versatel und Finanzinvestoren als mögliche Käufer.
Autor: Arndt Ohler, München
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