09.10.2009

Kabelnetzbetreiber wollen Zugang zu HD-Inhalten

Quelle: VDI nachrichten, Düsseldorf, 9.10.09

„Die Kabelnetzbetreiber geraten durch neue digitale Plattformen zunehmend unter Wettbewerbsdruck. Umso wichtiger ist für sie die Einspeisung von attraktiven HD-Inhalten.“ Dorothea von Wichert-Nick, Geschäftsführerin bei Solon Management Consulting und Verfasserin der neuen Studie „Wettbewerbsdynamik im Einspeisemarkt“, unterstreicht mit dieser Aussage die aktuelle Position des Branchenverbandes Anga. Die Anga fordert in einer Stellungnahme, die in dieser Woche erschienen ist, den „Zugang zu allen relevanten Programmen und Inhalten zu marktüblichen Konditionen“.

Anga-Präsident Thomas Braun zum Hintergrund dieser Forderung: „Insbesondere bei der Verbreitung von HD-Programmen ist es nicht akzeptabel, wenn ARD und ZDF Verbreitungsentgelte an Satelliten- und DVB-T-Betreiber zahlen, diese aber dem Kabel verweigern wollen.“ In den vergangenen Wochen hatten die öffentlich-rechtlichen Sender mehrfach betont, dass sie die Kosten für höhere Kapazitäten in den Kabelnetzen zur Einspeisung von HD-Programmen nicht zahlen wollen.

„HDTV gilt klar als der Treiber vom analogen zum digitalen Fernsehen. Auch bei Satellit und Terrestrik müssen die TV-Sender für die Übertragung zahlen – warum sollte das nun gerade bei HD im Kabel für einige Sender anders sein“, erklärt von Wichert-Nick, die die Studie im Auftrag des größten deutschen Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland (KDG) erarbeitet hat.

Für von Wichert-Nick ist die Haltung der großen Sender in Sachen HDTV ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Marktposition der Kabelnetzbetreiber in den vergangenen Jahren verändert hat. „Eine ausgeprägte Marktmacht der großen Kabelnetzbetreiber sehen wir nicht mehr. Gerade im digitalen Bereich haben sich die Verhältnisse durch neue Wettbewerber verschoben.“ Ein möglicher Missbrauch dieser vermeintlichen Marktmacht im Einspeisemarkt war in der Vergangenheit häufig als ein Argument des Kartellamtes genannt worden, wenn es um Konsolidierung, also den Zusammenschluss von Kabelnetzbetreibern, ging. Die KDG wirbt seit längerem dafür, kleinere Betreiber aufkaufen zu dürfen.

Aus Sicht der Anga besteht für die TV-Kabelbranche nun die Gefahr, Kunden an die anderen Plattformen zu verlieren und selbst in eine „Digitalisierungsblockade“ zu geraten. „Damit die Digitalisierung zunimmt, brauchen wir weitere digitale Angebote der Inhalteanbieter mit echtem Mehrwert für den Zuschauer“, so Braun. Die Anga fordert deshalb neben dem Zugang zu HD-Inhalten und Zugriff auf die Mediatheken der Sender auch „infrastrukturneutrale Zuschüsse für Settop-Boxen“, etwa über einen Digitalisierungsfonds.

Autor: Simone Fasse

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